Factoring

Kurz & bündig erklärt in unserem Glossar

Was ist Factoring? – die Kurz-Definition

Ein Unternehmen verkauft beim Factoring seine Forderungen an ein Factoringunternehmen. Durch diesen Schritt erhält das Unternehmen als Factoringnehmer die offenen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bzw. Kundenforderungen schneller (Finanzierungseffekt).

Ein Beispiel für Factoring:

Am 15. Januar verkauft ein Unternehmen Waren im Wert von 10.000 Euro an einen Kunden. Die Rechnung, die daraufhin ausgestellt wird, räumt dem Kunden ein Zahlungsziel von 14 Tagen ein. Damit das Unternehmen schneller sein Geld erhält, verkauft es diese Forderung direkt am 15. Januar an ein Factoringunternehmen.

Wann wird Factoring eingesetzt?

In der Regel erfolgt Factoring, also der Verkauf von Forderungen nicht einmalig, sondern es handelt sich für die Unternehmen mehr um eine Möglichkeit der fortlaufenden Finanzierung. Durch diese werden die Forderungen in liquide Mittel transferiert.

Das Factoring fällt, wie bspw. auch das Leasing, unter die Kreditsubstitute, die anstelle herkömmlicher Kredite als Finanzierungsmöglichkeit genutzt werden.

Beim Factoring muss jedoch unterschieden werden zwischen:

  • Echtes vs. unechtes,
  • Full Service vs. Inhouse,
  • Offenes vs. Stilles.

Die alternativen Begriffe für Factoring sind: Factoring-Finanzierung, Faktoring, Forderungsfinanzierung, Forderungsverkauf.

Was ist echtes Factoring und was ist unechtes Factoring?

Beim echten Factoring wird das Delkredererisiko (Bonitätsrisiko), also das Risiko des Forderungsausfalls übernommen.

Anders beim unechten Factoring, wo das Bonitätsrisiko nicht übernommen wird. Das bedeutet, dass der Forderungsverkäufer dafür haftet, dass der Kunde die Forderung bezahlt.

Das sogenannte Veritätsrisiko verbleibt beim echten sowie auch beim unechten Factoring i. d. R. beim Forderungsverkäufer, also dem verkaufenden Unternehmen. Beim Veritätsrisiko handelt es sich um den Fakt, dass die Forderung rechtlich nicht besteht, bspw. wenn es versehentlich keine Lieferung an den Kunden gab oder beschädigte Ware geliefert wurde.

Inhouse v. Full Service Factoring: Dienstleistungsfunktion

Das Factoringinstitut, dass die Forderungen eines Unternehmens aufkaufen, kann darüber hinaus auch die Debitorenbuchhaltung übernehmen, sowie das Inkasso (Forderungsbeitreibung und Forderungseinzug) sowie das Mahnwesen. Je nachdem welche Leistungen von dem Factoringinstitut angeboten werden, wird von einem Full-Service-Factoring gesprochen. Übernimmt dahingegen das Unternehmen weiterhin diese Aufgaben, dann wird von einem inhouse Factoring gesprochen.

Offenes vs. stilles Factoring: Offenlegung

Hier muss weiterhin unterschieden werden:

Das offene Factoring: Hier sind die Kunden des Unternehmens, deren Forderungen an das Factoring-Unternehmen verkauft wurden, über die Forderungsabtretung informiert. Entsprechend wird von ihnen die offene Rechnung direkt an das Factoring-Unternehmen bezahlt.

Das stille Factoring: Die Kunden zahlen in diesem Fall weiterhin an das Unternehmen, welches dann die Gelder der verkauften Forderungen an das Factoring-Institut weiterleitet.

Was sind die Vor- und Nachteile des Factoring?

Die Vorteile:

Durch das Factoring wird die Liquidität verbessert, die genutzt werden kann, um

  • Schulden zu tilgen (die Eigenkapitalquote steigt) oder um
  • Bei Lieferantenrechnungen Skonto ziehen zu können.

Des Weiteren wird ggf. auch das Ausfallrisiko für Forderungen und die Arbeit (Mahnwesen etc.) gemindert.

Die Nachteile

Der Verkauf der Forderungen an ein Factoring-Institut kann u. U. hohen Kosten ggf. vonseiten der Kunden negativ bewertet werden. Zudem ist Factoring nicht für jede Branche geeignet bzw. verfügbar und auch nicht für jede Kundengruppe (hier besteht die Frage nach der Bonität).

Wie hoch sind die Kosten für das Factoring?

Wie hoch die Kosten für das Factoring ausfallen, das ist abhängig von der Ausgestaltung bzw. dem Umfang des Factorings: Übernahme des Forderungsausfallrisikos, Full Service etc.).

In den Kosten sind ggf. Zinsen enthalten, die Factoring-Gebühr für die Übernahme des Ausfallrisikos (Delkrederegebühr) und die für die Serviceleistungen (Servicegebühr).

Des Weiteren sind die Kosten stark von den Umständen im Einzelfall abhängig (Vorfinanzierungszeitraum, Ausfallrisiko der Forderung etc.). Die durchschnittlichen Factoring-Kosten betragen zwischen 0,5 % und 2,5 % des Factoring-Umsatzes, das heißt der verkauften Forderungen.

Für wen ist Factoring geeignet?

Schon lange stimmt die Aussage, dass ein Unternehmen, das Factoring nutzt, wahrscheinlich einen Liquiditätsengpass überbrücken muss, nicht mehr. Bei Factoring handelt es sich grundsätzlich um ein Rechenexempel: Lohnt es sich auf den Zahlungseingang zu warten oder ist es besser die Kosten für das Factoring zu tragen? Allerdings lohnt sich Factoring dann, wenn von einem Unternehmen größere Investitionen geplant werden und definitiv eine zusätzliche Liquidität benötigt wird.

Zudem bietet Factoring die Möglichkeit, das komplette Debitorengeschäft auszulagern, um so die Kosten des Unternehmens zu senken. Die Frage ob sich Factoring lohnt, das kann ein Unternehmer nur individuell mit dem spitzen Bleistift für sich selbst ermitteln.

Diese Branchen nutzen Factoring:

  • Ernährungsgewerbe: 6,9 %
  • Fahrzeugbau 8,6 %
  • Dienstleistungen 9,0 %
  • Metallerzeugnisse, Maschinenbau 10,4 %
  • Handel, Handelsvermittlung 27,0 %
  • Andere 38,1 %

Wie lange gibt es Factoring?

Bereits in den 1970er Jahren hat das Factoring in Deutschland seinen Siegeszug angetreten. Die ersten die Factoring nutzten, waren Konzerne und große Firmen, doch in den 1990er Jahren entdeckten auch die kleinen und mittelständischen Formen diese Form der Unternehmensfinanzierung.

Wie wird Factoring gebucht?

Unternehmen die Factoring korrekt verbuchen wollen, benötigen folgende Konten:

  • Factoringverbindlichkeiten
  • Factoringerlöse
  • Factoringforderungen
  • Sonstige betriebliche Erträge

Ein Unternehmer verkauft seine Forderungen im Wert von 50.000 Euro (netto!) An das Factoring Unternehmen mit einer Gebühr von 10% (zu hoch ist nur ein Beispiel).

Der Verkauf der Forderung:

Bank: 53.550 Euro an Forderungen

Sonst. Betr. Aufwendungen 5.950 Euro

Warum diese Zahlen? Hier eine kleine Nebenrechnung:

Der Unternehmer hat Forderungen gegenüber dem Schuldner von 50.000 + 19 % MwSt. (59.500 Euro). Allerdings erhält er nur 90 % der tatsächlichen Forderung vom Factoring-Institut, also 53.550 Euro (Sogenannter Sicherungseinbehalt). Eben diese 10 % weniger werden als Aufwand verbucht (5.950 Euro).

Was ist der Unterschied zwischen Factoring und Forfaitierung?

In der Forfaitierung sind bestimmte Forderungen konkret im Vertrag enthalten und damit wird hier rechtlich von einem Spezieskauf gesprochen. Beim Factoring wird von einem Gattungskauf gesprochen. Das bedeutet, dass der Kauf der Forderungen erst später entsteht und es sich dabei beim Vertragsabschluss um noch unbekannte Forderungen handeln kann.

Trifft den Forderungsverkäufer die Veritätshaftung, dann wird der Unterschied zwischen Factoring und Forfaitierung zum Ausdruck. Sollte eine verkaufte Forderung nicht bestehen oder nicht abtretbar sein oder diese ist mit Einreden behaftet, dann kann der Forderungsverkäufer diese mit einer anderen Forderung beim Factoring ersetzen. Doch bei der Forfaitierung wird er nach § 311a Abs. 2 Satz 1 BGB schadensersatzpflichtig. In dem Fall liegt dann der Gegenstand der anfänglichen Unmöglichkeit vor, da bei einem Spezieskauf die Forderung die mit Mängeln behaftet ist, nicht nur eine mängelfreie Forderung ersetzt werden kann.

Aus unserem Magazin für Mittelstandsfinanzierung

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