Experteninterview: Im Gespräch mit Thorsten Klindworth

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Pecunia Flow Unternehmensberatung Dennis Kahl Münster Interview

Reverse Factoring hat sich zu einem wichtigen Tool der Absatzfinanzierung entwickelt. Wie gehen Einkaufsfinanzierer mit der Digitalisierung um? Die A.B.S Global Factoring AG hat auf diese Frage ihre eigene Antwort gefunden: Was es damit auf sich hat, verrät CEO Thorsten Klindworth im Kurzinterview.

Pecunia Flow: Im Jahr 2023 war mal wieder viel Bewegung auf dem Markt, was das Thema Einkaufsfinanzierung angeht. Einige Anbieter haben ihre Geschäftstätigkeit zum Jahresende wieder eingestellt. Die A.B.S. Global-Factoring AG bleibt jedoch mit ihrem FinTech-Produkt quickpaid seit 2018 beständig auf dem Markt. Was machen Sie anders als die Wettbewerber?

Thorsten Klindworth: Im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern setzen wir auf das „Beste aus zwei Welten“, nämlich FinTech und altbewährter Marktkenntnis. quickpaid ist zwar ein FinTech-Produkt, aber eben von einem Anbieter entwickelt und angeboten, der sich schon seit 1996 im Markt von Forderungsfinanzierungen bewegt.

Wir als A.B.S. Global Factoring AG haben eben nicht den Fehler vieler Start-Up’s gemacht, dass wir uns blind auf die neue Technik verlassen haben. Wir sind zwar nicht so bunt und laut wie unsere Wettbewerber, dafür haben wir aber unsere Erfahrungen und unser jahrelanges Know-How genutzt. Zugegebenermaßen etwas langweiliger, aber dafür vielleicht doch nachhaltiger.

Pecunia Flow: Was hat Sie dazu bewogen, die Einkaufsfinanzierung als standardisiertes Produkt über ein Online-Portal anzubieten und welches Kundensegment sprechen Sie damit an?

Thorsten Klindworth: Wir wollten zum einen ein Produkt für Forderungsfinanzierung anbieten, welches einfach, unkompliziert und digital zur Verfügung steht. Damit haben wir uns bewusst vom klassischen Factoring-Ansatz wegbewegt, wo ja im Vorfeld zu einer Vertragsbeziehung zunächst einmal eine mehr oder weniger aufwendige und zum Teil nicht digitale Due Diligence des Kunden und seines Forderungs-portfolios stattfinden muss, bis es dann zu den Vertragsverhandlungen kommt, die ebenfalls nicht immer standardisiert werden können.

Zum anderen sollte quickpaid von Anfang an anders sein, wie bereits gesagt einfach und flexibel und sofort verfügbar. Damit sprechen wir aber auch einen ganz breiten Kreis an möglichen Nutzern an – vom Freiberufler über den Handwerksbetrieb und die Gewerbetreibenden, das kleine mittelständische Unternehmen bis hin zum größeren Mittelstand. Jeder, der Rechnungen von seinen Vorlieferanten oder Dienstleistern erhält, ist grundsätzlich ein möglicher Kunde von quickpaid.

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Wir setzen auf das Beste aus zwei Welten: Altbewährte Marktkenntnis und zukunftweisendes FinTech.

Thorsten Klindworth, CEO und Gründer bei A.B.S. Global Factoring AG, Wiesbaden

Pecunia Flow: Supply Chain Finance hat sich zu einem der beliebtesten Finanzierungsmodelle der letzten Jahre entwickelt. Inwiefern kann dieser Finanzierungsbaustein hilfreich sein, Lieferantenbeziehungen und Liquidität gleichzeitig zu stabilisieren?

Thorsten Klindworth: Indem man quickpaid dazu nutzt, seine Lieferanten sofort oder zumindest sehr schnell zu bezahlen. Ggf. kann man dann sogar noch bessere Einkaufsbedingungen herausholen, also bessere Preise, Skonti oder Rabatte. Jeder Lieferant hat ja ein Interesse daran, dass seine Rechnungen an seine Kunden möglichst schnell bezahlt werden. Insofern steigt das Ansehen solcher schnellen Zahler. Da durch die Nutzung von quickpaid ein zusätzliches Zahlungsziel von 60, 90 oder 120 Tagen zur Verfügung steht, wird die Liquidität des Nutzers gestärkt und es werden finanzielle Freiräume geschaffen.

Pecunia Flow: Das heißt, quickpaid könnte auch proaktiv als Absatzförderung genutzt werden?

Thorsten Klindworth: Ja natürlich! Das ist ein Ansatz, den wir im Vertrieb auch aktiv verfolgen. Ein Unternehmen, welches viele Kunden hat, die sich vielleicht die Einräumung eines längeren Zahlungszieles wünschen, dieses aber aufgrund der eigenen beschränkten Finanzierungsspielräume nicht zur Verfügung stellen kann, kann sich quickpaid aktiv zu Nutze machen, indem es dieses Instrument seinen Kunden quasi „mit auf den Weg“ gibt, also aktiv beim Verkaufsprozess anbietet.

Auf diese Art und Weise wird ein zusätzlicher finanzieller Service mitverkauft, der sich sicherlich positiv auf den Absatz auswirkt. Also win-win für beide Seiten.

Pecunia Flow: Die A.B.S. ist ja schon lange als klassischer Factoring-Anbieter erfolgreich im Markt aktiv. Warum wäre aus Ihrer Sicht Factoring und Einkaufsfinanzierung eine gute Kombination?

Thorsten Klindworth: Weil hierdurch zwei moderne Finanzierungsinstrumente zur Finanzierung des Inbound- und des Outbound-Rechnungsstroms eingesetzt werden und somit sowohl Einkauf als auch Absatz durchfinanziert werden – und dies völlig unabhängig von üblichen Bankfinanzierungen oder sonstigen Finanzierungsmöglichkeiten. Wir sprechen hier von Asset-basierten Finanzierungen, wobei das Asset in beiden Fällen die Rechnungen sind. Auf diese Weise ermöglichen wir den Unternehmen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Produktion und den Handel ihrer Waren oder die Erbringung ihrer Dienstleistungen – und das ganz ohne finanzielle Ablenkungen.

Pecunia Flow: Die Finanzbranche ist sehr dynamisch – das Thema Embedded Finance oder „Buy Now Pay Later“ steht für die nächsten Jahre hoch auf der Agenda. Im B2C-Bereich ist Embedded Finance durch Anbieter, wie zum Beispiel Klarna, nicht mehr wegzudenken. Welche Neuerungen können wir hier in naher Zukunft von Ihnen erwarten?

Thorsten Klindworth: Wir gehen davon aus, dass es im B2B-Bereich zu einer ähnlichen, wenn auch zeitlich nachgelagerten Entwicklung wie im B2C-Sektor kommen wird. Embedded Finance, Buy Now Pay Later, Web-Shops mit integriertem Check-Out werden auch hier zukünftig eine höhere Bedeutung gewinnen. Die Menschen sind es mittlerweile gewohnt, dass Dinge im Privatleben reibungslos funktionieren, und genau diese Bequemlichkeit und Effizienz erwarten sie über kurz oder lang auch im beruflichen Kontext.

Pecunia Flow: Ihr Ausblick für das Jahr 2024: Auf welche Faktoren sollten Unternehmen maßgeblich achten? Wie wird sich der Zweig der bankenunabhängigen Finanzierung weiter entwickeln?

Thorsten Klindworth: 2024 wird für viele Unternehmen kein einfaches Jahr werden. Die Herausforderungen der aktuellen Zeit sind sehr komplex und vielschichtig. Permanente Krisen, sich verschiebende Einkaufs- und Absatzströme, Energiepreise, eine schwächelnde Konjunktur, zunehmende Bürokratie – das alles sind keine idealen Voraussetzungen.

Insofern ist es als Unternehmen wichtig, sich robust und krisenresistent aufzustellen. Diversifikation ist hier sicherlich ein Zauberwort und das gilt auch für die Finanzierung. Unternehmen sollten schauen, dass sie nicht von einzelnen Finanzierungsformen oder -partnern abhängig sind. Die bankenunahängigen Finanzierungen werden sich sicher in diesem Umfeld weiter positiv entwickeln. Die Aufsichtsbehörden werden zusätzlich in Zukunft mehr und mehr dafür sorgen, dass sich die seriösen Anbieter im Markt durchsetzen und die Regeln, die der Gesetzgeber im Finanzsektor erlassen hat, eingehalten werden.

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Thorsten Klindworth gründete die A.B.S. direkt nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften. Das Unternehmen wuchs zu einem etablierten, mittelständischen Player und entwickelte sich zum Marktführer in Deutschland bei den konzern- und bankenunabhängigen Full Service Factoring Unternehmen. Die A.B.S. Gruppe bietet mittelständischen Unternehmen im gesamten DACH-Raum, Skandinavien und Slowenien Factoring- und Einkaufsfinanzierungslösungen an.

Zudem engagiert sich Thorsten Klindworth ehrenamtlich im Präsidium des BGA – Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. und vertritt innerhalb des Präsidiums den Deutschen Factoring Verband.

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