Pecunia Flow Unternehmensberatung Dennis Kahl Münster Spannungen mit der Bafin Suchen erste FinTechs den Weg ins Ausland

Dass die BaFin bei einigen aufstrebenden Finanz-StartUps nicht ganz oben auf der Liste zu stehen scheint, wirft einen grellen Lichtstrahl auf die wachsenden Spannungen zwischen der Berliner FinTech-Branche und der Bonner Aufsicht. So war die BaFin zuletzt unter anderem gegen N26 und die Solarisbank vorgegangen, also gegen die beiden größten Aushängeschilder der FinTech-Szene.

Die Aufseher werfen den beiden milliardenschweren FinTech-Banken speziell vor, ihre Probleme mit betrugsmäßig genutzten Konten nicht in den Griff zu bekommen. In der Folge wurde N26 im vergangenen Jahr mit einem Bußgeld in Höhe von 4,25 Millionen Euro belegt. Zudem darf die Neobank schon seit Monaten EU-weit nur noch maximal 50.000 neue Kunden pro Monat annehmen; wann das Limit aufgehoben wird und N26 seinen Wachstumskurs fortsetzen darf, ist unklar.

Der Solarisbank wiederum schickte die BaFin unlängst einen Sonderaufpasser ins Haus. Begründet wurde dies mit „zahlreichen(n) organisatorische Mängel(n)“, die „eine nicht ordnungsgemäße Geschäftsorganisation“ belegen würden.

FinTechs vs. BaFin: Die Spannungen wachsen

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Die Spannungen zwischen der BaFin und der Berliner FinTech-Szene haben inzwischen eine lange Vorgeschichte. Nach genereller Wahrnehmung blickte die Finanzaufsicht – womöglich angefixt von der Idee, dass aus Deutschland heraus ein globaler FinTech-Champion heranwächst – anfangs durchaus sehr wohlwollend auf die Neobank N26.

Erstaunlich lautlos bekam die Neobank 2016 die erhoffte Banklizenz. Zur ungefähr gleichen Zeit wurde auch die Solarisbank zur lizenzierten Vollbank, bald darauf bemühten sich weitere ambitionierte Berliner FinTechs wie das Versicherungs-StartUp Element, der Factoring-Spezialist Billie oder der Wealth-Tech-Anbieter Elinvar erfolgreich um eine jeweils passende Lizenz. Die BaFin hat sich in jener Zeit nicht nur als Aufseher, sondern auch als Begleiter verstanden.

Einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen der BaFin und den FinTechs stellte der prominente „Fall Wirecard“ dar. Seit dem Skandal rund um den Münchner Payment Service Provider gilt es in Bonn als oberste politische Zielsetzung, weitere Debakel aufstrebender Player zu vermeiden – im Zweifel auch auf Kosten eines FinTech-Standorts Deutschland.

Die Berliner Szene verwahrt sich mit guten Gründen dagegen, für Wirecard in Mithaftung genommen zu werden. Die allgemein schärfere Gangart spüren die FinTechs gleichwohl. Hinzu kommt: Wo es offensichtliche Überschneidungen zwischen Wirecard und der FinTech-Branche gab, fehlt es bis heute an einer klaren Distanzierung.

Der österreichische Investor Stefan Klestil, der als Aufsichtsrat sowohl von Wirecard als auch der Wirecard Bank fungierte, schied erst auf Drängen der BaFin aus dem Beirat der N26 Bank aus. Seinen Platz im Beratergremium der Muttergesellschaft von N26 behielt Klestil allerdings, genauso wie weitere FinTech-Pöstchen, auch bei einem lizenzierten FinTech wie Billie.

Ein Zusammenstoß der Generationen

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Den anhaltenden atmosphärischen Stimmungen liegen freilich auch kulturelle Differenzen zugrunde. Hier die FinTechs, denen es um eine möglichst rasche Skalierung ihrer Geschäftsmodelle geht – gerne auch mal nach dem Zuckerberg’schen Motto „Move fast and break things“.

Dort die BaFin, deren Aufsichtsstruktur auf einen bestimmten Standardfall optimiert ist, nämlich auf die klassische Bank oder Sparkasse – und deren führende Köpfe nicht nur gedanklich, sondern bisweilen sogar wortwörtlich der Bankenwelt entstammen.

Mit der Einordnung neuer, technologie-getriebener Geschäftsmodelle täten sich die Aufseher erkennbar schwer, wird in Berlin beklagt.

Manchmal scheitert eine bessere Zusammenarbeit auch an mutmaßlichen Geringfügigkeiten. So unterhält die BaFin, im Gegensatz zur Bundesbank, bis heute keine Berliner Repräsentanz. Oder, anderes Beispiel: Für die „Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT“ existiert nach wie vor keine verbindliche englischsprachige Übersetzung – obwohl die IT‘ler in den Fintechs in vielen Fällen keine deutschen Muttersprachler sind.

Bei der BaFin geht man davon aus, dass Neobanken in der Lage sein müssten, diesen Sprachtransfer zu leisten. In der FinTech-Branche dagegen wächst das Unverständnis, dass sich die Aufsicht nicht kooperativer und vielleicht in dem ein oder anderen Fall auch ein bisschen beweglicher zeigt.

Verwiesen wird auf andere europäische Länder, in denen sich die Aufsichtsbehörden sehr viel stärker auch als Dienstleister verstehen und wo mitunter sogar aktive Standortpolitik betrieben wird Zum Vergleich: In ihrem jüngst veröffentlichten Risikobericht widmete die Bafin ein ganzes Kapitel dem „Zukunftsrisiko Digitalisierung“. Von den Chancen der Digitalisierung war hingegen in Bonn zuletzt eher kaum die Rede.

Ist der Weg ins Ausland eine Option für Fintechs?

Allein den Fall „BaFin vs. N26“ nochmal nachzuvollziehen, ist inzwischen eine abendfüllende Beschäftigung: Da wäre unter anderem die Einsetzung eines Sonderbeauftragten zur Überwachung zur größten deutschen Neobank im Mai 2021.

Die schon vorgenannte, wegen Mängeln bei der Geldwäsche-Prävention verhängte Millionenstrafe. Der zweite Sonderbeauftragte. Und natürlich das besagte Neukunden-Limit von 50.000 im vergangenen Herbst, dem die italienische Finanzaufsicht bezogen auf den italienischen Markt zuletzt sogar noch einen vorübergehend kompletten Neukunden-Stopp folgen ließ.

Das Vorgehen gegen die Solarisbank Anfang dieses Jahres fügte sich ins Gesamtbild – und passt zu den in die „Verschwörungstheoretische neigende Interpretationen“, die mittlerweile kursieren. So könnte man durchaus ernsthaft behaupten, die BaFin habe es sich zur Aufgabe gemacht, die etablierte Finanzindustrie vor den FinTech-Angreifern zu beschützen.

Aus dem Umfeld von N26 war in der Vergangenheit mal gestreut worden, das größte deutsche FinTech sei nicht zwingend an den Standort Berlin gebunden – zumal es in Wien, wo die Neobank eine wachsende Niederlassung unterhält, eine naheliegende Alternative gibt (nicht zu vergessen: bei den N26-Gründern so wie eine Reihe weiterer Top-Manager sind ja Österreicher).

Dass sich hiesige FinTechs der Bafin entziehen, ist keine rein theoretische Option mehr.

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